{"id":15,"date":"2025-09-20T10:00:00","date_gmt":"2025-09-20T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/malwina-mazur.com\/journal\/index.php\/2019\/08\/06\/zeit-aufzuwachen-teil-1-3\/"},"modified":"2026-04-19T22:02:56","modified_gmt":"2026-04-19T20:02:56","slug":"zeit-aufzuwachen-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/malwina-mazur.com\/journal\/index.php\/2025\/09\/20\/zeit-aufzuwachen-teil-1\/","title":{"rendered":"Zeit aufzuwachen \u2014 Teil 1: Das kleine M\u00e4dchen das wartet"},"content":{"rendered":"\n<p>Es war einmal ein kleines M\u00e4dchen, das die Welt durch die Augen der Liebe betrachtete. Sie wuchs in einer Zeit auf, in der Kindheit noch etwas Heiliges hatte, in der die Welt \u00fcberschaubar war und jeder Mensch seinen festen Platz kannte. Sie liebte Mama und Papa aus tiefstem Herzen, so wie Kinder eben lieben: bedingungslos, fraglos und vollst\u00e4ndig. Sie erinnert sich an ein Bauernhaus, an eine kleine Wohnung im oberen Stock, an den Geruch von Vertrautem und an das Gef\u00fchl, dass alles gut ist. Sie erinnert sich, wie Papa ihr mit einer hei\u00dfen Nadel die Ohrl\u00f6cher stach, sie war drei Jahre alt, und wie sie das einfach ausgehalten hat, ohne zu weinen, weil er es war und weil seine H\u00e4nde die sichersten H\u00e4nde der Welt waren. Und sie erinnert sich an den Tag, an dem Papa nicht mehr da war.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Als das Vertraute verschwand<\/h2>\n\n\n\n<p>Stattdessen gab es einen Ersatz, Mamas neuen Mann. Papa sah sie nun alle zwei Wochen, und sie freute sich jedes Mal aufs Neue, mit einer Intensit\u00e4t, die man vielleicht nur verstehen kann, wenn man selbst wei\u00df, wie es sich anf\u00fchlt, auf jemanden zu warten. Etwas in ihr zog sie immer zu ihm hin, obwohl er so selten da war, vielleicht sogar gerade deshalb. Mama war ja immer da, und der Ersatzpapa auch. Aber sie wusste, so wie Kinder Dinge wissen ohne sie benennen zu k\u00f6nnen, dass dieser Mann nie denselben Platz in ihrem Herzen einnehmen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie war ein Papakind.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann sp\u00fcrte sie, dass Mama und Papa sich bekriegten, mit einer Stille, die lauter war als jedes Wort. Sie war zu klein, um es zu verstehen. Also tat sie das Einzige, was sie tun konnte: Sie zog sich ihr sch\u00f6nstes Kleid an und wartete auf das n\u00e4chste Papawochenende.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Papa kam nicht. Papa rief auch nicht an. Und so sitzt sie da, irgendwo tief in ihr, bis heute, und wartet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Sie zog sich ihr sch\u00f6nstes Kleid an und wartete. Papa kam nicht. Papa rief auch nicht an.<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Leben ging weiter, und sie mit ihm<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Jahre vergingen. Der Ersatzpapa sorgte gut f\u00fcr sie und versuchte, ihre Kindheit sch\u00f6n zu gestalten und alles m\u00f6glich zu machen. Sie war kein verw\u00f6hntes M\u00e4dchen, sie wurde gut erzogen, hatte gute Manieren, war offen und neugierig und liebte das Leben mit einer Leichtigkeit, die anderen auffiel.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Schule sa\u00df sie lieber mit Freunden zusammen als dem Unterricht zu folgen. Sie probierte eine Zigarette aus, einen Joint, Alkohol, und wurde daf\u00fcr zu Hause bestraft. Als Mama ihr das Kochen beibringen wollte, feierte sie lieber das Leben, weil das Leben sich damals anf\u00fchlte wie etwas, das man nicht verpassen darf.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gab es den ersten festen Freund. Kein halbes Jahr sp\u00e4ter sa\u00df er bei einer anderen. Zum ersten Mal brach die Welt zusammen, denn sie liebte die Liebe, tief und vorbehaltlos, so wie sie schon als Kind geliebt hatte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Papa, endlich und doch nicht ganz<\/h2>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Gro\u00dfeltern erfuhr sie, dass Papa nun verheiratet war und zwei weitere Kinder hatte, Halbgeschwister, die sie noch nie gesehen hatte. Irgendwann klingelte sie einfach an seiner T\u00fcr. Die neue Frau an seiner Seite \u00f6ffnete, freundlich und offen. Papa war nicht da. Aber die Halbgeschwister waren da, und sie waren zauberhaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es schlie\u00dflich zu einem Treffen mit Papa kam, gab es keine wirkliche Aussprache. Man tat so, als sei nie etwas gewesen, als g\u00e4be es keine L\u00fccke, keine Fragen, keine Tr\u00e4nen. Nur: Papa war wieder da. Und das war ihr gr\u00f6\u00dfter Traum. Sie war schlie\u00dflich Papas kleines M\u00e4dchen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Muster beginnt sich zu zeigen<\/h2>\n\n\n\n<p>Sie machte ihre Erfahrungen in Sachen Liebe, eine nach der anderen, und jede Beziehung scheiterte, oft aus demselben Grund. Am Ende verlie\u00dfen sie alle, h\u00e4ufig wegen einer anderen Frau. War sie verflucht? War sie nichts wert? Warum konnte ein Mann sie nicht so lieben, wie sie liebte?<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Fragen stellte sie sich immer wieder, und sie fand noch keine Antwort. Die k\u00e4me sp\u00e4ter, viel sp\u00e4ter. Erst musste sie noch ein paarmal durch dasselbe Feuer laufen, bevor sie verstand, dass das Feuer sie nicht zerst\u00f6ren, sondern l\u00e4utern sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie es weitergeht, erz\u00e4hle ich in Teil 2.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Geschichte ber\u00fchrt dich? Beziehungsmuster, die sich wiederholen, haben oft tiefe Wurzeln, die wir alleine schwer erkennen k\u00f6nnen. Ich begleite Menschen dabei, genau hinzuschauen, ohne Druck und ohne Urteile. \u2192 <strong>Kostenloses Erstgespr\u00e4ch anfragen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>[DISCLAIMER]<\/strong> Dieser Beitrag dient ausschlie\u00dflich der spirituellen Orientierung und Information. Er ersetzt keine medizinische, therapeutische oder psychologische Beratung. Bei ernsthaften psychischen oder k\u00f6rperlichen Beschwerden wende dich bitte an eine entsprechend ausgebildete Fachperson.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal ein kleines M\u00e4dchen, das die Welt durch die Augen der Liebe betrachtete. Sie wuchs in einer Zeit auf, in der Kindheit noch etwas Heiliges hatte, in der die Welt \u00fcberschaubar war und jeder Mensch seinen festen Platz kannte. 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